Kommt er? Kommt er nicht? Warten auf den Zug nach Berlin … (Teil 1)

Kommt er? Kommt er nicht? Warten auf den Zug nach Berlin ...

Am Mittwoch Abend wurde am Antenne-Brandenburg-Stammtisch öffentlich diskutiert: braucht Wriezen die alte Direktverbindung nach Berlin? Eigentlich waren sich alle einig: Die Menschen in und um Wriezen brauchen die Bahn, die Wirtschaft braucht die Bahn und alle wollen die Bahn. Nur zwei nicht: Egbert Neumann, Abteilungsleiter Verkehr im Infrastrukturministerium sieht die Notwendigkeit, aber nicht, dass die Bahn auch kommt. Und Landrat Gernot Schmidt findet den Schnellbus nach Strausberg erstmal ganz gut.

Zunächst schien der Abend bestens anzufangen: An dem Podium des Antenne-Stammtisches betonten Bürgermeister Karsten Ilm ebenso wie Stadtverordnete und Eichwerders Ortsvorsteherin Jutta Werbelow die Notwendigkeit, die alte Bahnstrecke wiederzubeleben. Der Landrat schloss sich an, wenn auch mit einer mehr oder weniger versteckten Drohung (sinngemäß: man könne halt nicht beitragsfreie Kitas und die Abschaffung der Anschlussbeiträge und die Wiedereinführung einer Bahnstrecke fordern – als ob das eine mit dem anderen zu tun hätte). IHK und der Fahrgastverband pro Bahn befürworten die Wiederbelebung der Strecke. Und aus dem Infrastrukturministerium waren zumindest positive Signale zu erkennen.

An diesem Punkt hätte man den Abend beenden können mit einem klaren Arbeitsauftrag an alle zuständigen Stellen: „macht hinne! Gebt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, setzt Euch an die Planung, die Finanzierung, die Umsetzung. Jungfernfahrt RB 25 Wriezen – Berlin am 1. Juli 2025“. Oder so ähnlich.

Stattdessen passiert, was so oft passiert, wenn Politiker und Verwaltung diskutieren (und was BürgerInnen verzweifeln lässt): es wurde zerredet. Mal abgesehen davon, dass die Ostbahn einen sehr großen Teil der Diskussion in Anspruch genommen hat, kam am Schluss der Ruf der Abgehängten des Pendlerlandes nicht gegen die Totschlagargumente der Verwaltung an: da wurde von laaaaangen Planungszeiträumen und viiiiel zu teuren Investitionen gesprochen.

Was sagt es den BürgerInnen eigentlich, wenn einen ganzen Abend darüber geschwärmt wird, welche positiven Auswirkungen eine Bahnlinie haben kann und dann gesagt wird „Eure Region wird aber nicht in den Genuss dieser positiven Auswirkungen kommen“? Genau, es sagt uns: „Ihr seid für uns nicht wichtig, andere Regionen sind wichtiger“. Am Ende der Diskussion stellte Egbert Neumann, Abteilungsleiter im Infrastrukturministerium denn auch fest: er sehe die Reaktivierung nicht. Armes Wriezen, armes Oderbruch?

Auf die Barrikaden, Pendler!

So lassen wir das nicht stehen, so dürfen wir das nicht stehen lassen. Es öffnet sich gerade jetzt ein Zeitfenster, das wir, die Wriezener und Oderbrüchler, alte und neue Einwohner, gemeinsam nutzen müssen, um unserem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Es darf nicht die Frage sein, ob die Bahnlinie wiederkommt, sondern: wann und wie! Wir haben Verbündete: der Landesverband der Grünen positioniert sich klar positiv zum Ausbau und zur Reaktivierung stillgelegter Strecken im Land. Im Auftrag der Bundesregierung erstellen der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VdV) und Allianz pro Schiene gerade eine Liste reaktivierungswürdiger Strecken. Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Grünen hat gegenüber dem ApS-Geschäftsführer Dirk Flege und dem VdV-Geschäftsführer Dr. Martin Henke auch die Aufnahme der Wriezener Bahn in die Liste angeregt.

Landrat Gernot Schmidt hat laut rbb24 im Dezember letzten Jahres gesagt, Bürgermeister und Amtsdirektoren könnten ein bisschen mehr Krawall machen, denn schon jetzt beginne die Diskussion um die Ausschreibungen des Landes für den Schienennahverkehr ab 2022.

Nehmen wir ihn doch beim Wort und unterstützen die Bürgermeister und Amtsdirektoren beim Krawall machen. Wie? Darüber schreiben wir in Kürze im zweiten Teil.

2 Kommentare bei „Kommt er? Kommt er nicht? Warten auf den Zug nach Berlin … (Teil 1)“

  1. Josef Reitemann sagt: Antworten

    Was mir immer wieder in Versammlungen und politischen Diskussionen deutlich wird, dass es Wriezen und dieser Region an einer konkreten Vision fehlt. Visionen und Ziele können oft Wunder bewirken, Synergien freisetzen und solche ambitionierte Ideen, wie die Reaktivierung dieser wichtigen Lebensader zwischen Wriezen und Berlin, Flügel verleihen. Es steht außer Zweifel, Wriezen braucht diese Zugverbindung.
    Die Nachbarregion Schorfheide hat es uns vor Jahren vor gemacht. Zuerst hatten sie eine Idee, ein Konzept für ihre Region, dann kam die Entwicklung und Umsetzung bestimmter Instrumente.
    Übrigens, toller Artikel Steffen!

    1. Danke, Josef!

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