Der Zug kommt! Wenn wir wollen. Und wer bezahlt? (Teil 2)

Am 28. Februar ist die Wriezener Stadtverordnetenversammlung auf den – entschuldigen Sie das Wortspiel – fahrenden Zug aufgesprungen und hat eine Beschlussvorlage angenommen, die da heißt: „Willensbekundung der Stadtverordnetenversammlung zur ,Reaktivierung des Bahndirektanschlusses Wriezen–Berlin Lichtenberg'“. Die klare Stellungnahme ist ein wichtiges Signal. Damit es aber nicht nur bei Willensbekundungen bleibt, müssen dringend Hausaufgaben erledigt werden. Denn momentan liegt vieles noch in geheimnisvollem Dunkel. Bringen wir ein wenig Licht hinein:

Es mag den einen oder anderen überraschen, aber die Trasse zwischen Werneuchen und Wriezen, gehört zwei verschiedenen Eisenbahngesellschaften, die in privater Hand sind, also nicht der Deutschen Bahn. Während die Stadtverordneten laut Beschluss vom 28.2. sich zwar jetzt aufmachen wollen, den „Kontakt zu allen Anliegergemeinden und Ämtern zu suchen, um eine kommunale Interessengemeinschaft „Bahndirektanschluss Wriezen – Berlin Lichtenberg“ zu bilden“, hat seit dem Jahr 2012 noch niemand zu den Eigentümern Kontakt aufgenommen, um mit ihnen über die Möglichkeiten einer Reaktivierung zu reden. Dabei wäre das vielleicht nicht verkehrt, denn wie sagte einer der Eigentümer zu uns: „Naja, da wird das Fell des Bären schon zerlegt, bevor man ihn erschossen hat …“ Allerdings ist dieser Eigentümer nach eigenen Angaben sehr interessiert an der Wiederaufnahme des Bahnverkehrs zwischen Wriezen und Werneuchen. Dazu gleich mehr.

Der andere Eigentümer betreibt auf einem seiner Teilstücke die Draisinenbahn Tiefensee. Die Strecke ist stillgelegt (es dürfen also keine Züge darauf fahren), aber sie ist nicht entwidmet. Das heißt, prinzipiell ist es immer noch eine Eisenbahnstrecke, die Stilllegung könnte rückgängig gemacht werden. Der Eigentümer hat uns eindeutig mitgeteilt, dass er einem Öffentlichen Personenverkehr auf seiner Draisinenstrecke keine Zustimmung erteilen wird. Diese Aussage klingt sicherlich zunächst dramatischer, als sie am Ende ist, aber man wird sich mit diesem Stein im Weg auseinander setzen müssen.

Das zweite Teilstück, das diesem Eigentümer gehört, ist grob gesagt die Strecke zwischen Werneuchen und Tiefensee. Dieses Teilstück ist nicht stillgelegt und nicht entwidmet. Normalerweise könnten morgen also schon Züge auf dieser Strecke fahren. Wer allerdings auf der B158 die parallellaufende Strecke betrachtet, sieht, dass sie in einem Zustand ist, der einigen Arbeitseinsatz erfordert, bevor hier wieder etwas fährt. Seit rund zwei Jahren liegt ein Antrag auf Stilllegung dieses Teilabschnittes im Ministerium für Infrastruktur in Potsdam vor. Diesem Antrag könnte stattgegeben werden (das wäre ein Rückschritt für die Reaktivierung) oder er könnte abgelehnt werden, das vereinfacht das weitere Verfahren. Michael Jungclaus von Bündnis 90/ Die Grünen stellt gerade eine kleine Anfrage zum Stand des Stilllegungsantrages.

Der andere Teilabschnitt gehört, das ist kein Geheimnis, der Wriezener Bahn GmbH & Co Vertriebs GmbH, die es gern sähe, wenn die Strecke reaktiviert würde. Auf diesem Teilstück haben wir ein anderes, gut bekanntes Problem: Da der damalige SPD-Minister Meyer gern die Umgehungsstraße für Wriezen wollte, ohne die vorhandene Bahnlinie mittels Brücke zu überqueren, wurden kurzerhand die Gleise gekappt. Das ist lange her, damals war es leider beliebter Straßen zu bauen, als Zugstrecken zu erhalten. Vor allem die SPD vor Ort bedauert das heute sicherlich. Fakt aber ist: die Umgehungsstraße muss angehoben werden, damit die Züge darunter durchfahren können. Auch das ist machbar, wenn es gewollt ist.

Abgebaut wurde im Rahmen dieser damaligen Baumaßnahmen auch die Weiche, die in den Wriezener Bahnhof führt, allerdings gibt es hier laut Streckeneigentümer die verbindliche Zusage der Deutschen Bahn, diese Weiche wieder herzustellen, wenn die Strecke reaktiviert wird.

Alles in allem gibt es keine unüberwindlichen Hindernisse. Die Strecke ist insgesamt in einem Zustand, der sich nach Aussagen von Fachleuten mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand wieder nutzbar machen ließe. Die Umgehungsstraße ließe sich zu einer Brücke anheben; diese zu bauen macht Arbeit und kostet Geld, aber auch das ist überschaubar. Für die beiden Teilstücke von Werneuchen bis Sternebeck werden sich Lösungen finden lassen.

Die Bahn kann kommen.

Jetzt bleibt nur noch eine Frage zu beantworten: wer bezahlt? Zunächst geht es um die Strecke und da gibt es eine Schätzung, die bei zehn Millionen Euro liegt (ohne Brückenbau). Das ist nicht viel für eine Eisenbahn, aber Wriezen und die Anliegergemeinden werden es sich trotzdem nicht (allein) leisten können. Was wird der Kreis dazugeben? Und ist das Land, gar der Bund bereit, sich zu beteiligen? Letzterer lässt gerade eine Liste reaktivierungswürdiger Strecken erstellen. Der Landesverband der Grünen hat die beauftragten VDV und Allianz pro Schiene um Prüfung und Aufnahme der Wriezener Bahn in die Liste gebeten, die Stadt Wriezen ist da jetzt ebenfalls dran. Gelänge das, stünden die Chancen gleich noch viel besser, auch finanziell etwas zu erreichen. Die Brücke ist hier noch mal ein ganz anderes Finanzierungsthema.

Ist die Strecke erst einmal in Ordnung, fehlt aber noch der Zug selbst. Die Bahnen müssen bestellt werden – und wer bestellt, bezahlt.

Nun denn: wer bestellt? Hier wird erst einmal geschaut werden, ob sich die Strecke überhaupt lohnt. Wenn es denn eine Studie geben wird, die die Wirtschaftlichkeit der Strecke untersucht, dann wird sie von dem vorhandenen Nutzerpotential ausgehen. Und seien wir ehrlich: Das reicht erst einmal nicht, um die Strecke wirtschaftlich zu betreiben. Die Grünen fordern hier schon lange ein Umdenken, das langsam auch einsetzt. In diese Wirtschaftlichkeitsstudie muss danach eingerechnet werden, wie sich beispielsweise die Einwohner- und damit Pendlerzahlen durch den Bahnanschluss entwickeln werden. Aus anderen Regionen ist bekannt, dass das Pendleraufkommen zum Teil rasant steigt, sobald der ÖPV verbessert wird. Zum zweiten wären weiche Faktoren mit einzubeziehen wie Entlastungen von Straßen wie der B158. Jeder, der schon mal morgens über Ahrensfelde nach Berlin musste, blickt sehnsüchtig auf die Gleise neben der Straße. Zu guter Letzt sind auch Klimaschutzerwägungen mit einzubeziehen: Pendler im Zug sind immer besser, als Pendler im Auto.

Also, wenn wir diese Anbindung und die damit verbundene positive Entwicklung unserer Stadt und des Oderbuches wirklich wollen, dann schaffen wir das – mit der Unterstützung der Eigentümer, der Kreises, des Landes und auch den Bundes. 2025 feiern wir dann gemeinsam die Jungfernfahrt von Wriezen nach Berlin.

Ein Kommentar bei „Der Zug kommt! Wenn wir wollen. Und wer bezahlt? (Teil 2)“

  1. Volkmar Schröer sagt: Antworten

    Na dann träumt mal schön weiter, denn diesen Traum wird wohl niemand mehr erleben das dort jemals wieder ein Zug von Wriezen über Schulzendorf Sternebeck Leuenberg nach Ahrensfelde fährt

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